EIN BISSCHEN RUHE VOR DEM STURM

Drei Schauspieler sitzen in einem Fernsehstudio und warten auf den Beginn einer Podiumsdiskussion. Sie sind als Spezialisten im Rollenfach “Nazigröße” eingeladen: Zwei von ihnen haben den Hitler, einer den Goebbels gespielt. Ein erbitterter Kulturkampf um die richtige Darstellungsweise bricht aus. Soll man sich einfühlen oder eher Distanz wahren zur Figur? Wer ist der beste Hitler?

Die sich selbst entlarvende Betroffenheitsprosa der Macher von Filmen wie “Der Untergang” verbindet sich in Walsers Stück mit absurdem Sprachwitz à la Thomas Bernhard zu einer herrlichen Lästerorgie: Nicht nur über die ewig wiedergekäute Frage nach der Darstellbarkeitdes Dämonischen, inklusive markanter Sätze wie “Ich habe bei jedem Bissen die Vernichtung mitgespielt.” Auch alle Diskussionen, die das Theater über sich selbst führt, kommen auf den (wackelnden) Tisch: Regietheater oder Werktreue? Muss die Kunstfreiheit dem Respekt vor fremden Kulturen weichen? Braucht man überhaupt das Publikum?

Theresia Walser (*1967) absolvierte eine Schauspielausbildung. Mit Stücken wie “Das Restpaar” und “Kleine Zweifel” erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. “Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm” wurde im Oktober 2006 in Mannheim uraufgeführt.

Das Stück wurde auch im Rahmen des Symposiums “SchattenOrt” gezeigt.

Alexander May

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