WUNSCHKONZERT

An einem beliebigen Werktag kommt Fräulein Rasch nach der Arbeit, nach dem Einkaufen, gegen 18.30 Uhr nach Hause. Sie kommt in die Wohnung, sucht nach ihrer Post, findet nur eine Reklameschrift, nimmt diese, geht zu ihrer Zimmertür, schließt sie auf und tritt ein. Sie legt das Einkaufsnetz mit Lebensmitteln und einer Zeitung auf den Tisch, stellt die Handtasche auf den Stuhl, legt die Reklameschrift auf die Kredenz und schließt ihre Zimmertür.“

Der Münchener Autor Franz Xaver Kroetz beschreibt den letzten Abend im Leben von Fräulein Rasch und deren überraschende, aber wohl kalkulierte Selbsttötung.

Allein durch das Wunschkonzert entkommt sie vorübergehend ihrem eintönigen Alltag, indem sie sich einem Reich der Klänge, der Traummelodien und der Phantasie hingibt.

In der ihm eigenen Art der grotesken Überzeichnung, aber auch der Zärtlichkeit für skurrile Menschen, die stumm außerhalb der Gesellschaft leben, formuliert Kroetz ein herausforderndes Plädoyer gegen die Selbstaufgabe.
 

Alexander May

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